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Arp Schnitger war der bedeutendste
"Orgelmacher" des Barock in Norddeutschland und Nordeuropa. Sein Werk umfaßt
nach heutigem Stand etwa 180 Neu- und Umbauten, von denen weltweit
noch 48 in verschiedenem Umfang erhalten sind.
Schnitger-Material befindet sich außerdem in einer Anzahl Orgeln, die später
durch einen Neubau ersetzt wurden. Dabei wurde manchmal Material von Schnitger
übernommen, so wie er es auch oft tat und welches auf die Art ebenfalls erhalten ist.
Kurzbiographie
In Schmalenfleth geboren, das genaue Datum ist bisher nicht bekannt, findet sich am
9. Juli 1648 der Eintrag im Taufregister zu Golzwarden, dem Nachbarort. Nachdem er bei
seinem Vater das Tischlerhandwerk erlernt hatte, ging er 1666 zu seinem Onkel Berendt Hus
nach Glückstadt, um sich im Orgelbau ausbilden zu lassen. Hus war zu der Zeit in
Norddeutschland schon eine namhafte Größe im Orgelbau. Schnitger war ab den
1670er-Jahren durch sein anerkanntes Geschick offenbar schon mehr als nur Geselle dort. Er
baute mit Hus zusammen die neue große Orgel für St.Cosmae und Damian in Stade bis 1675.
Hus verstarb 1676 und Schnitger übernahm, keine 30 Jahre alt, die Werkstatt. Er
vollendete 1678 die noch bei Hus beauftragte, ebenfalls neue Orgel der Wilhadi-Kirche in
Stade. Das damit begründete Renommee bescherte ihm alsbald neue Aufträge, wie z.B. in
Hamburg, St.Johannis-Kloster 1680 (heute in Cappel), Oederquart 1682 und in Steinkirchen
1685. Einen vorläufigen Höhepunkt markiert der Auftrag für die neue Orgel der Hamburger
Nikolaikirche 1687, mit IV/67, einem Werk, welches vielfach als das damals Weltgrößte
bezeichnet wird.
Ab 1691 begannen Kontakte Schnitgers nach Groningen. Mit der Erweiterung der Orgel
in der Martinikirche um die Pedaltürme 1692 begann auch hier sein Ruf. In der ganzen
Provinz und in der Stadt Groningen entstanden in der Folgezeit Neu- und Umbauten. Für die
jeweiligen Gehäuse hatte er den Groninger Tischlermeister Allert Meijer verpflichtet.
Eine Wahl, die sich als sehr glücklich herausstellte. Für Schnitger war Meijer auch ein
freundschaftlich verbundener Geschäftspartner, der sein Vertrauen genoss.
Sowohl in Deutschland, den Niederlanden und in anderen Ländern Europas entstanden
im Laufe der Zeit zahlreiche Instrumente.
Schnitger heiratete 1684 Gertrude Otte aus Neuenfelde. Ab 1693 übernahm er den Hof
seines Schwiegervaters, der spätere "Orgelbauerhof". Ab 1705 hatte er
Neuenfelde zu seinem ständigen Wohnsitz gewählt. Aus dieser Ehe entstammten 2 Töchter
und 4 Söhne. Seine Frau starb jedoch 1707, ein Jahr später ertrank der 2.Sohn Hans in
der Elbe und 1712 starb der älteste Sohn Arp. 1713 heiratete er die Witwe des Küsters
von Abbehausen, Anna Elisabeth Koch.
Während der Planung der neuen Orgel in der Grote Kerk zu Zwolle verstarb Arp Schnitger im
Juli 1719. Das Werk wurde schließlich von seinen jüngeren Söhnen Johann Georg und Frans
Caspar erbaut und 1721 fertiggestellt.
Orgeltypus
Schnitger hatte keinen neuen Orgeltypus geschaffen. Der spätestens mit Gottfried
Fritzsche erreichte Entwicklungsstand im hanseatisch-norddeutschen Raum wurde von ihm nur
konsequent angewendet. Dieser Stil wurde durch seine Schüler und ehemaligen Mitarbeiter
im 18. Jahrhundert fortgeführt. Seine Werkstatt bestand in Groningen noch bis 1863.
Gründe für den Erfolg
Der Grund für seinen Erfolg liegt einerseits in der klanglichen und baulichen
Ökonomie seiner Instrumente, andererseits in der Tatsache, daß er ebenso Geschäftsmann
war, der es verstand, seine Leistungen an geeigneter gesellschaftlicher Stelle
bekanntzumachen und Verbindungen zu knüpfen, auch zu bekannten und bedeutenden
Organisten. Es gelang ihm auch, sich innerhalb der Handwerker-Zünfte zu behaupten und
relativ ungestört arbeiten zu können. Sein Betrieb ist in damaliger Zeit ohne Beispiel.
Eine Parallele dazu findet sich z.B. eine Generation später bei Gottfried Silbermann in
Sachsen wieder.
Besondere Merkmale seiner Orgeln
- Überwiegend sehr gute Materialien
- Klarer Werkaufbau aus der Tradition Scherer - Fritzsche
- Stellwagen
- Festes Prospektschema: Spitztürme, Diskantfelder
übereinander, polygonaler Rundturm in der Mitte
- Kräftige Prinzipale und Mixturen für den
Gemeindegesang
- Reich besetztes Pedal insbesondere bei größeren
Orgeln
- Verschmelzungsfähige Zungenstimmen
- Verschiedenartige und klangvolle Flötenstimmen
- Vielfach Verwendung alter Register aus
Vorgängerinstrumenten
Die Orgelbeschreibungen
Es werden als Katalog ausschließlich nur erhaltene Schnitger-Orgeln auf dieser
Webseite vorgestellt. Das sind entweder Gehäuse/Prospekte, oder erhaltene Klang- und
Werksubstanz, oder beides zusammen, jeweils in unterschiedlichem Umfang.
Die angegebene Größe ist immer die Heutige.
Herkunft der Daten
Alle Einzelangaben zu den Orgeln werden bestmöglichst recherchiert und basieren
auf privaten Unterlagen, diversen Publikationen und dem Internet. Sie sind bewußt eher
kurz und übersichtlich gehalten.
Wenn etwas nicht wahrheitsgemäß erscheinen sollte, bitte nicht schimpfen oder
für sich behalten, sondern dem Autor per Mail einen Hinweis geben. Dieser ist dankbar
dafür. Auch davon lebt dieses Webangebot.
Für weitergehende Informationen wird auf die Literatur verwiesen, deren
Auflistung hier nachgelesen werden kann,
sowie dieser Webseite in
englisch/niederländisch, auf der auch Angaben zum Gesamtwerk Schnitgers zu finden sind
(keine Haftung!).

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